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„Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen“

Beeindruckender Abend der Initiative „Frauen aller Länder laden ein“

Gemeinsames Essen verbindet. Bei "Frauen aller Länder laden ein" eine Selbstverständlichkeit
Gemeinsames Essen verbindet. Bei "Frauen aller Länder laden ein" eine Selbstverständlichkeit

„Das Leben in Duisburg ist ein bisschen so, wie das Leben auf der Arche Noah. Es kann nur gelingen, wenn wir alle friedlich und ohne Vorbehalte zusammenzuleben. Aber das schaffen wir!“ Zu diesem Schluss kamen in der vergangenen Woche die rund 70 Gäste der Initiative „Frauen aller Länder laden ein“ beim Themenabend rund um die Geschichte der Arche Noah und ihrer Bedeutung für die heutige Zeit.

 

Es war ein wirklich inspirierender Abend mit tollen und vor allem sehr ehrlichen Gesprächen über das Zusammenleben der Menschen in Duisburg, die, so betonte eine Gesprächspartnerin immer wieder, in unserer Stadt aus immerhin 140 verschiedenen Nationen stammen. Und sie sprachen darüber, wieviel Verbindendes es doch in den drei monotheistischen Religionen gebe, denen allen der göttliche Auftrag zum verantwortungsvollen Zusammenleben in Frieden und Freiheit zu eigen sei. „Im Namen Gottes kann ich nur Gutes tun, nichts Schlechtes“. Auf diesen kurzen Nenner brachten es einige Frauen und betonten, kein Krieg oder Streit könne im Namen Allahs oder Gottes gerechtfertigt oder geführt werden.

Geflüchtete Frauen erzählen von ihren guten Erfahrungen in Duisburg

 Schwester Mariotte Hillebrand und Ayten Keser moderierten den Themenabend der Initiative "Frauen aller Länder laden ein"
Schwester Mariotte Hillebrand und Ayten Keser moderierten den Themenabend der Initiative "Frauen aller Länder laden ein"

Die Frauen, die an diesem Abend an den großen runden Tischen im Gemeindesaal von St. Barbara in Röttgersbach intensiv miteinander im Gespräch waren, hätten unterschiedlicher nicht sein können. Nicht nur, dass hier Frauen jeder Altersgruppe und mit ganz unterschiedlichen familiären und religiösen Prägungen zusammengekommen waren, auch die Herkunftsländer der Frauen waren sehr unterschiedlich. 
Besonders beeindruckend waren drei Statements von geflüchteten hochgebildeten Frauen aus der Türkei und Syrien. Alle drei erzählten sehr bewegend von ihren Schicksalen und denen ihrer Familien vor, während und nach der Flucht aus ihren Heimatländern. Und sie ließen die anderen teilhaben an ihren Hoffnungen und Plänen für die Zukunft. Und die sind sehr konkret: Die Frauen wollen auf eigenen Beinen stehen, noch besser Deutsch lernen und beruflich neu anfangen. Das kann ihnen auch gelingen, allein schon deshalb, weil sie seit ihrer Ankunft in Deutschland immer wieder Unterstützung und Ermutigung erfahren haben. Das war den dreien auch sehr bewusst.


So wie der 43-jährigen Lehrerin Aishegül Sözeri, die vor fast drei Jahren mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern aus politischen Gründen aus der Türkei fliehen musste. Sie berichtete, sie habe seit ihrer Ankunft in Deutschland so viel Herzlichkeit und Hilfe erfahren, dass sie hiervon gerne etwas zurückgeben wollte. Bei ihrem Besuch der ersten Veranstaltung der Initiative „Frauen aller Länder laden ein“ sprach sie deshalb eine der Initiatorinnen, Schwester Mariotte, an und fragte, ob es in der katholischen Gemeinde jemanden gebe, der oder die sich über regelmäßige Besuche und kleine Hilfen im Alltag freuen würde. So kam der Kontakt zu der 86-jährigen Norma Karden zustande. Aus dem ersten Beschnuppern ist heute ein sehr vertrauter Umgang geworden, der beiden Seiten ganz offensichtlich gut tut. „Ich möchte die Besuche von Aishegül, ihrem Mann und ihren Kindern nicht mehr missen. Sie bereichern mich und ich hoffentlich auch ein wenig sie“, berichtet Norma Karden schmunzelnd von den regelmäßigen Treffen.


„Die Berichte der geflüchteten Frauen waren schon sehr berührend“, fand auch Birgitt Kühn. Sie war zum ersten Mal bei einem Treffen der Initiative „Frau aller Länder laden ein“ und erzählte, sie arbeite schon seit längerem in der Flüchtlingshilfe, hätte aber eigentlich immer nur Kontakt zu geflüchteten Männern gehabt. Für sie war das Treffen eine erste Möglichkeit, auch mal mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. „Das ist ja schon noch einmal eine ganz andere Perspektive, die mein Verständnis vertieft hat“, freute sie sich über diese neue Erfahrung.


„Wir wollen aufsteh’n, aufeinander zugeh’n, voneinander lernen, miteinander umzugeh’n“. So sangen die Frauen am Ende des Abends gemeinsam. Dass sie das ernst meinten, das nahm man nach diesem Abend jeder einzelnen auf jeden Fall ab. 

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