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Tobias Ambold wagt den „Seitenwechsel“

Der 18-Jährige macht nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr an einer Grundschule in Tansania

Acht junge Leute aus dem Bistum Essen starten Ende August in ihr freiwilliges soziales Jahr im Ausland. Auch der Duisburger Tobias Ambold (2.v.l) ist dabei. Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen
Acht junge Leute aus dem Bistum Essen starten Ende August in ihr freiwilliges soziales Jahr im Ausland. Auch der Duisburger Tobias Ambold (2.v.l) ist dabei. Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen

Jedes Jahr ruft das Bistum Essen bis zu zehn junge Erwachsene auf, einen „Seitenwechsel“ zu wagen und sich beim bistumsweiten Freiwilligendienst im Ausland zu engagieren. Mit dabei ist in diesem Jahr auch Tobias Ambold aus der katholischen Pfarrei St. Matthias in Duisburg-Rheinhausen. Er fliegt in drei Wochen für ein Jahr nach Tansania und wird in einer katholischen Grundschule arbeiten.


Den zumeist aus sehr ärmlichen Familienverhältnissen stammenden Kindern − viele der rund 800 Erst- bis Siebtklässler sind Aids-Waisen − will er den Internatsalltag durch attraktive Freizeitangebote verschönern. Die Verständigung vor allem mit den jüngeren Jungen und Mädchen wird dabei nicht ganz einfach werden. Die Kinder können (noch) kein Englisch, Tobias kann kein Suaheli. „Ohne einen Sprachkurs wird es daher auch für mich nicht gehen“, erzählt der 18-Jährige schmunzelnd.

Freiwilligendienst im Ausland kann Brücken bauen

Foto: Nicole Cronauge I Bistum Essen
Foto: Nicole Cronauge I Bistum Essen

Tobias Ambold verbindet mit seinem Freiwilligendienst im Ausland aber auch noch etwas anderes: Er möchte auf der „anderen Seite des Globus“ nicht nur den geografischen, sondern auch den perspektivischen Seitenwechsel beim Kennenlernen neuer Kulturen, Menschen und Lebensweisen wagen. Das, so Tobias Ambold, unterscheide den freiwilligen sozialen Dienst im Ausland von dem im Inland: „Im Inland steht an erster Stelle das Helfen, beim Einsatz im Ausland ist das sicherlich nicht anders. Aber wir können darüber hinaus auch viel über uns selbst und darüber lernen, unter welchen Bedingungen man in anderen Ländern lebt. So werden wir zu Botschaftern unseres eigenen Landes und wir können Brücken zwischen Deutschland und der Welt bauen.“


Dass Tobias Ambold diesen Seiten- und damit Perspektivwechsel nach der Schule wagt, hat sicherlich auch ganz viel damit zu tun, was er sich für seine persönliche Zukunft vorgenommen hat. Der junge Duisburger will Priester werden. Motiviert durch neun Jahre Erfahrung als Ministrant in St. Matthias und geprägt von vielen Jahren aktiver Jugendarbeit in seiner Gemeinde wurde ihm das vor gut einem Jahr ganz klar. Und er hat Fakten geschaffen. Schon jetzt steht fest: Nach seiner Rückkehr im Sommer 2020 wechselt er unter Begleitung des Bistums Essen zum Theologiestudium nach Münster.

Ohne intensive Vorbereitung geht’s nicht

Aktuell ist der zielstrebige junge Mann aber erst einmal für eine Woche in Bonn, wo er sich gemeinsam mit 30 anderen jungen Leuten aus ganz Deutschland auf seinen Auslandseinsatz vorbereitet. Dort geht es vor allen Dingen um das erste Kennenlernen der kulturellen und sozialen Unterschiede, die die jungen Leute im Ausland erwarten werden. Damit die Begegnungen mit den Menschen vor Ort rücksichtsvoll und auf Augenhöhe möglich werden können.


Es geht aber auch um den persönlichen Austausch der künftigen freiwillligen Helfer untereinander. „Besprochen werden Themen wie die eigenen Erwartungen oder unsere Sorgen und Ängste, ob wir das alles schaffen und wie wir damit umgehen, wenn wir zum Beispiel Heimweh bekommen“, berichtet Tobias Ambold. Heimweh scheint aber nicht die größte Sorge von Tobias zu sein. Ihn treibt wohl eher Fernweh an. Ein Gefühl, was seine Familie zwar durchaus verstehen kann, dessen Folgen sie aber dennoch etwas schrecken. „Meiner Mutter und meiner Zwillingsschwester fällt der Gedanke, dass ich so jung schon für ein Jahr weit entfernt leben werde, schon schwer“, berichtet Tobias, was aber nicht bedeute, dass sie seine Motivation nicht gut nachvollziehen könnten. Einen Trost hat die Familie aber: Sie wollen Tobias auf jeden Fall in Süd-Afrika besuchen. Das ist doch eine Perspektive…

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