Die Caritas Duisburg hat am Mittwoch, 25. März 2026, auf dem Gelände des ehemaligen Kinderdorfs „Maria in der Drucht“ in Duisburg eine Gedenktafel aufgestellt. Sie erinnert an Kinder und Jugendliche, die dort sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt erfahren haben. In der Zeit von 1946 bis 1983 stand das ehemalige Kinderdorf unter der Trägerschaft der Caritas Duisburg.
Die Gedenktafel wurde von Julia Schröder, Vorständin der Caritas Duisburg, gemeinsam mit zwei Betroffenen eingeweiht. „Für viele Betroffene ist die sichtbare Erinnerung an das erlittene Unrecht ein wichtiger Schritt zur Anerkennung ihres Leids. Die heute eingeweihte Gedenktafel sehen wir als einen ersten Schritt des Erinnerns, den wir weiterentwickeln wollen“, sagte Julia Schröder anlässlich der Einweihung. Die Gedenktafel ist öffentlich zugänglich am Eingang zum Gelände des ehemaligen Kinderdorfs angebracht. Text und Standort wurden in enger Abstimmung mit Betroffenen festgelegt. Die Gedenktafel steht im Zusammenhang mit der laufenden Aufarbeitung der Geschehnisse im ehemaligen Kinderdorf. Nach Vorliegen des im Herbst 2026 erwarteten Abschlussberichts zu den noch laufenden Untersuchungen ist vorgesehen, das Gedenken weiterzuentwickeln und in eine dauerhafte Form zu überführen.
Einer von zahlreichen Schritten im Rahmen der Aufarbeitung
„Mit der Gedenktafel erfüllen wir einen schon seit Längerem von Betroffenen geäußerten Wunsch“, sagt Julia Schröder. „Gleichzeitig setzen wir ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir die
institutionelle Verantwortung für das Geschehene übernehmen. Es ist uns wichtig, mit unserer Aufarbeitung Transparenz herzustellen und die Perspektive der Betroffenen in den Mittelpunkt zu
rücken. Dabei ist uns natürlich bewusst, dass eine solche Gedenktafel nur einer von zahlreichen Schritten und Maßnahmen im Rahmen der Aufarbeitung sein kann.“ Außerdem dankte Julia Schröder den
Betroffenen: „Ausdrücklich bedanke ich mich im Namen der Caritas Duisburg bei den Betroffenen für ihren großen Mut und ihr entschlossenes Engagement, mit der sie die Aufarbeitung der Geschehnisse
aktiv begleiten und die Erinnerung an das erlebte Unrecht wachhalten.“
Erinnerungskultur als Bestandteil verantwortungsvoller Aufarbeitung
Erinnerungskultur ist für die Caritas Duisburg ein wesentlicher Bestandteil einer verantwortungsvollen Aufarbeitung. Sie hält das erlittene Unrecht sichtbar, würdigt die Erfahrungen der
Betroffenen und trägt dazu bei, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät. Die Aufstellung der Gedenktafel soll ein Anfang für ein dauerhaftes Gedenken an das geschehene Unrecht im
Kinderdorf „Maria in der Drucht“ sein.
Umfassende Aufarbeitung
Das ehemalige Kinderdorf „Maria in der Drucht“ stand von 1946 bis 1983 unter der Trägerschaft der Caritas Duisburg. Aus dieser Zeit sind mehrere Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer
Gewalt gegen Kinder und Jugendliche bekannt geworden. Der Caritasverband Duisburg arbeitet seit 2025 in einem strukturierten, wissenschaftlichen und extern begleiteten Prozess die Geschehnisse im
Kinderdorf auf; erste Schritte wurden bereits ab dem Jahr 2023 eingeleitet. Die Aufarbeitung umfasst eine Archivrecherche sowie eine qualitative Interviewstudie mit Betroffenen. Die Ergebnisse
beider Untersuchungen werden in einem gemeinsamen Abschlussbericht voraussichtlich im Herbst 2026 veröffentlicht. Zudem wird ein unabhängiger Bericht über das Verhalten der Caritas Duisburg in
den Jahren 2021 bis 2025 erstellt.
„Mit den unabhängigen Untersuchungen übernimmt die Caritas Duisburg institutionelle Verantwortung für Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt im ehemaligen Kinderdorf ‚Maria in der Drucht‘ “, erklärt die Kölner Rechtsanwältin und Mediatorin Dr. Bettina Janssen, die den Aufarbeitungsprozess eng begleitet. „Verantwortung bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem, transparent aufzuklären, Leid anzuerkennen, Fehler klar zu benennen und aus ihnen zu lernen sowie Konsequenzen aus den Geschehnissen zu ziehen. Verantwortung endet dabei nicht mit der Veröffentlichung des Berichts, sondern umfasst auch den fortdauernden verantwortungsvollen Umgang mit den Erkenntnissen.“
